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Länderporträt Mecklenburg-Vorpommern

In dem Bundesland im Norden leben durchschnittlich nur 69 Menschen auf einem Quadratkilometer. Dennoch blüht das Vereinsleben: Das ehrenamtliche Engagement wächst seit Jahren, auch unter jungen Menschen. Im «Call for Members» spiegelt sich diese Entwicklung wider. Mecklenburg-Vorpommern ist mit 21 Teilnehmern – nach Sachsen – das Land mit den meisten Vereinen im Wettbewerb. Fast 600 Menschen sind diesen Kunst- und Kulturinitiativen im letzten halben Jahr beigetreten. Der Verein schloss bröllin mit 100 Neumitgliedern und der Kreativsaison e.V. mit 35 neuen Mitgliedern haben dafür viel geleistet. Sie haben uns Rede und Antwort gestanden, was ihr Erfolgsrezept war.

„Das gibt dann einen Schneeballeffekt“

Das „Schloss“ in Bröllin hat sich seit mittlerweile 25 Jahren als international art research location der Förderung von zeitgenössischem Tanz, Theater und Performancekunst verschrieben. Seit 1992 wird auf dem ehemaligen LPG-Gelände produziert, konferiert, regional und international vernetzt. Einzigartig ist das Residenzprogramm für darstellende Künste, erzählt Vorstand Peter Legemann, und man hört ihm den Stolz auf das Erreichte an. Ihr guter Ruf und das große Renommee hätten bei der Mitgliedersuche viel geholfen. Energisch wurde im Wettbewerbszeitraum das weit verzweigte Netzwerk aktiviert und die bestehenden Vereinsmitglieder aufgefordert, in ihrem Umfeld zu werben. „Das gibt dann einen Schneeballeffekt“, so Legemann. Neu geworbene Mitglieder fragten wiederum in ihren Freundes- und Bekanntenkreisen, usw… Über ein Neumitglied freut sich Peter Legemann besonders: Er konnte im persönlichen Gespräch den Pastor der Gemeinde für den Verein gewinnen – und damit einen wichtigen Fürsprecher. Auch einen anderen positiven Effekt hatte der «Call for Members»: Der Verein hat sich durch die Neumitglieder deutlich verjüngt.

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„Die neuen Mitglieder stärken unsere Position in der Stadt“

Im Kultur- und Kreativquartier Warnow Valley herrscht seit 2015 geschäftiges Treiben. An die vierzig kommerzielle, aber auch gemeinnützige Unternehmen arbeiten mittlerweile im Gebäudekomplex an der Warnow. Diese Menschen zusammenzubringen, zu vernetzen und vor allem: sie zu unterstützen, hat sich der Verein Kreativsaison zum Ziel gesetzt. Veronika Schubring und Corinna Hesse beschreiben dies als Möglichkeit einer kollegialen Beratung. Oft haben Selbstständige oder kleine Firmen aus dem Kultur- und Kreativsektor die gleichen Probleme: Sich dabei am Wissen und der Erfahrung aller im Quartier zu bedienen, liegt nahe. Und es funktioniert – Wo vorher relativ anonym nebeneinander gearbeitet wurde, sind auf Initiative des Vereins Verbindungen geknüpft und Bekanntschaften geschlossen worden. Nun heißt es „Kreative helfen Kreativen“. Nicht zuletzt deshalb konnte ein Großteil der Neumitglieder direkt im Quartier geworben werden.

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©Warnow Valley / Felix Woitzel

Im Flächenland stelle sich die Situation allerdings schwieriger dar, erklärt Hesse. Es hapert an Mobilität. Vernetzte Strukturen zwischen den Akteuren rein im digitalen Raum aufzubauen ist meist nicht nachhaltig möglich. Doch allmählich zeigt sich eine Veränderung: es entstehen lokale Netzwerke, die von und für Kulturschaffende und Kreative an Orten im ländlichen Raum gegründet werden. Doch nicht nur die Vernetzung nach innen ist wichtig – auch die Außenwirkung spielt in der Netzwerkarbeit eine große Rolle. Beispielsweise bemüht sich der Verein, sein Ansehen gegenüber der Stadt Rostock zu stärken. Dabei sind die vielen neuen Mitglieder eine wichtige Hilfe – sie „stärken unsere Position in der Stadt“, resümiert Corinna Hesse.

Bildnachweise:
Schloss Bröllin: Peter van Heesen, http://www.broellin.de/images/phocagallery/Bilder/broellin_ort/thumbs/phoca_thumb_l_broellin10a_cafe.jpg