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Länderporträt Sachsen

Sachsen ist das Bundesland mit den meisten teilnehmenden Vereinen im Wettbewerb. Insgesamt 35 Vereine wurden zugelassen, die zusammengenommen 829 Neumitglieder gewinnen konnten. Der größte Anteil hat seinen Sitz in den drei Städten Chemnitz, Leipzig und Dresden. Etwa 65% aller sächsischen Wettbewerbsteilnehmer kommen aus diesen Großstadtregionen, ebenso wie ein beachtlicher Anteil der neu gewonnenen Mitglieder. Aber auch in den ländlichen Gegenden gibt es viel Aktivität. Wir haben daher den Joachim-Ringelnatz-Verein aus Wurzen und die Kulturfabrik in Hoyerswerda gefragt, mit welchen Erfolgsrezepten sie die stattliche Anzahl an neuen Unterstützern gewinnen konnten und was die Veränderung nun für sie bedeutet.

„Hierfür tragen wir alle eine Verantwortung“ – Joachim-Ringelnatz-Verein

Ein Kulturgut verfällt mitten in der Altstadt von Wurzen. So zumindest lässt sich der Zustand des Geburtshauses von Joachim Ringelnatz beschreiben als die Stadt beschloss, die Immobilie zum Verkauf zu stellen. Dagegen regte sich Protest vom Joachim-Ringelnatz-Verein und anderen Wurzener Ringelnatz-Freunden. Hilfe wurde eingeworben, Spenden gesammelt, es wurde ein Betreiberkonzept entwickelt – bis im Mai 2016 der Stadtrat ein Einsehen hatte. Der Verkauf war vom Tisch und der Verein hat seither eine große neue Aufgabe: Den Erhalt und die kulturelle Nutzung des Geburtshauses.

Viola Heß, Vorsitzende des Ringelnatz-Vereins, spricht mit großer Begeisterung über diese jüngsten Entwicklungen. Waren sie vor 2016 noch ein fast privater „Literaturklub im ländlichen Raum“, ist der Verein an der Immobilie gewachsen. Und das nicht nur im metaphorischen Sinne. Im Rahmen des «Call for Members» warben sie viele Unterstützer in ganz Sachsen und bundesweit. Mittlerweile stehen 112 Mitglieder hinter dem Projekt, die auch eine starke Lobby bilden und die Bedeutung des Hauses in der Region repräsentieren.

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Die neuen Mitglieder überzeugte der Verein in erster Hinsicht durch Qualität und beständiges Engagement – alle zwei Wochen gibt es eine große Veranstaltung, Ausstellungen, Feste und Führungen. Der umtriebige Verein setzt viel daran, das Kulturerbe zu pflegen, die umfangreiche Sammlung aus dem Nachlass von Joachim Ringelnatz zu bewahren und sein Werk wach zu halten, denn, so sagt Viola Heß „hierfür tragen wir alle eine Verantwortung“. Sie sieht die vielen Aktiven und freut sich, wie alles Hand in Hand geht: Mittlerweile gibt es eine institutionelle Unterstützung durch die sächsische Kulturraumförderung, der Verein wird Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und sogar die Stadt Wurzen sieht, welcher Schatz in ihrer Stadt steht: seit diesem Jahr sind Finanzmittel für die Grundsanierung des maroden Geburtshauses beschlossen. Eine Entwicklung, die sehr schön zeigt, dass sich Vereine auch abseits der urbanen Zentren Förderung, Unterstützung und Anerkennung erarbeiten können.

„Es wäre traurig, wenn wir nur unsere Hauptverantwortlichen hätten“ – Kulturfabrik Hoyerswerda e.V.

Die Kulturfabrik Hoyerswerda wiederum ist bereits seit mehr als 20 Jahren als soziokulturelles Zentrum in Hoyerswerda aktiv. Die Stadt ist besonders stark vom demographischen Wandel, einer ausgedünnten Infrastruktur, arbeitsbedingter Abwanderung und wenigen Rückkehrern gezeichnet – was die Arbeit des Kulturzentrums nur umso wichtiger macht. Geschäftsführer Uwe Proksch beschreibt den guten Ruf ihrer Aktivitäten in der Region mit ihrem kontinuierlichen Kulturangebot: „Das hat aber eher dazu geführt, dass die Leute gesagt haben: Ja, die Kulturfabrik macht das schon, das ist alles abgedeckt, da muss man nicht noch mitmachen“. Mit der Teilnahme am «Call for Members» wollte der Verein dieses Bild gerade rücken.

Für Uwe Proksch bedeutet ein Mehr an Vereinsmitgliedern auch immer ein Zuwachs an finanzieller Unabhängigkeit. In erster Linie wurden im Rahmen des «Call for Members» Fördermitgliedschaften eingeworben. Doch auch neue Aktive sind dazu gestoßen, die als Ideengeber die Vereinsarbeit beleben. Der Zuwachs an Mitgliedern hat zugleich ein Nachdenken über die Vereinsstruktur angeregt, schließlich war die Kulturfabrik mehr eine Plattform für Kooperationspartner, die Raum für Workshops, Veranstaltungen, Projekte und Kurse bietet – aber eben meist für Andere. Aus diesem Grund wurde eine neue AG „Wir“ ins Leben gerufen, in der Aktivitäten geplant werden, die vor allem den Vereinsmitgliedern selbst am Herzen liegen – denn, so sagt Uwe Proksch: „Man kann nur mitmachen, wenn man sich selber wohlfühlt“.

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Letztlich konnte die Kulturfabrik die meisten ihrer 90 neuen Mitglieder aus den Reihen derer gewinnen, die schon längst die Angebote in der Kulturfabrik regelmäßig wahrnehmen: Von der Percussion-Gruppe, über den Fotokurs bis hin zum Theaterworkshop. Diesen Gästen war es schlicht vorher nicht bewusst, dass sie die Kulturfabrik auch mit einer Mitgliedschaft unterstützen können. Dass Mitgliedergewinnung aber auch über die Werbung für die eigene Sache funktioniert, zeigt die Begebenheit, die sich bei der Vorstellung des letzten Jahresberichts im Stadtrat zutrug: Als Uwe Proksch dort von der laufenden Mitgliedersuche berichtete, traten kurzentschlossen zwei Stadträte dem Kulturfabrik Verein bei.

 

 

Bildquellen: Joachim Ringelnatz Verein, KuFa Hoyerswerda