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Jury-Vorstellung Sonderpreis #Beste Ideen

Wer genau entscheidet eigentlich über die Vergabe des Sonderpreises Beste Ideen? Damit Sie sich ein Bild machen können, haben wir der Jury ein paar Fragen gestellt. Die Jurorinnen Dorit Klüver (LAG Soziokultur) und Gordana Ancic (Tanz- und Theaterwerkstatt Ludwigsburg) sowie Juror Stefan Carl (IN’s NETZ e.V.) standen Rede und Antwort!

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Was sind Ihrer Meinung nach zentrale Herausforderungen, vor denen ehrenamtlich getragene Kunst- und Kulturvereine heute stehen?

Gordana Ancic: Die Flexibilität, die sowohl in beruflicher wie auch privater Hinsicht erwartet wird, scheint mit eine Herausforderung zu sein. Dadurch kann es schwierig sein, sich langfristig und verbindlich in einem Kulturverein zu engagieren. Zudem engagieren sich viele Menschen in verschiedenen Bereichen, z.B. in sozialen wie auch kulturellen Bereichen – es ist also nicht so einfach, das alles „unter einen Hut“ zu bringen. Wie professionelle Kulturbetriebe, müssen sich auch ehrenamtlich getragene Vereine in unserer sich wandelnden Gesellschaft fragen, was es heißt, wenn z.B. neue Generationen Verantwortung übernehmen und neue Impulse in den Verein getragen werden.

Stefan Carl: In einer so durchkommerzialisierten (Dienst-)Leistungs- und Informationsgesellschaft wie unserer, halte ich es für wichtig, dass Kunst- und Kulturvereine ein breites aber auch individuelles Angebot zum ehrenamtlichen Engagement ermöglichen können, ohne dabei untereinander als Konkurrenten wahrgenommen zu werden oder von potentiellen Teilhabern geprüft und verglichen zu werden. Interesse und Neugier soll die Menschen binden; nicht der Preis, die Angebotsausgestaltung oder gar Rabatte.

Dorit Klüver: Eine der wichtigsten Herausforderungen scheint mir heute der Generationenwechsel in den Vereinen zu sein. Wer kommt nach und wie kann der Übergang so gestaltet werden, dass sowohl diejenigen, die schon lange dabei sind als auch diejenigen, die neu dazukommen ihre Vorstellungen umsetzen können. Eine weitere wichtige Herausforderung ist es sicherlich, sich gute Kooperationspartner zu suchen und Kooperationen einzugehen, die alle Beteiligten gleichermaßen (und auch die Region) zum Leuchten bringen. Und – es bleibt eine zentrale Herausforderung – gerade für ehrenamtlich getragene Vereine – Mittel zur Finanzierung ihrer Kulturarbeit zu akquirieren und abzurechnen.

Welchen Stellenwert können originelle Ideen für die Entwicklung eines Vereins einnehmen?

Gordana Ancic: Es ist wichtig, dass auch ungewöhnliche Ideen, die noch nicht ausprobiert wurden, weiterverfolgt werden. Manchmal auch die, die im ersten Moment „verrückt“ klingen. In Vereinen können sich viele Menschen einbringen, gemeinsam gestalten. Neue Ideen können auch neue Leute ansprechen. Originelle Ideen – selbst, wenn sie nicht gleich genauso umgesetzt werden (können) – bedeuten immer einen Ansporn, neuen Schwung und machen Lust weiterzumachen.

Stefan Carl: Ideenspinner betreten kreatives „Neuland“ und schaffen damit die nötigen Vorraussetzungen für Experimente, oftmals frei und losgelöst von markwirtschaftlichen Aspekten. Ihre originellen Ideen und deren Umsetzung geben Vereinen auch Auftrieb, erzeugen Neugier und vereinen letztlich auch Menschen, bestenfalls als neue Mitglieder.

Dorit Klüver: Man kann großartige Dinge erleben, wenn man sich etwas traut, wenn man über die Grenzen dessen geht, was man bisher für machbar gehalten hat. Man nimmt sich als Verein, als Gruppe anders wahr und man wird von außen ganz anders wahrgenommen. Das, was darüber an Miteinander und Gesprächen entsteht, ist ohne ein solches Wagnis nur schwer möglich.

Was können Sie Vereinen raten, um sie zur Teilnahme am Sonderpreis Beste Ideen zu ermutigen?

Gordana Ancic: Eigentlich einfach wirklich nur ermutigen, sich auch um den Sonderpreis zu bewerben. Manchmal ist man vielleicht selbst ein bisschen zu bescheiden, um sich mit eigenen Ideen diesem Wettbewerb zu stellen und da kann es gut tun, wenn man nicht zu viel grübelt, ob die Idee super super innovativ ist. Wenn es für den eigenen Verein ein neuer, ungewöhnlicher Weg ist, dann ist das doch eine gute Gelegenheit.

Stefan Carl: Das Aufsetzen einer guten Kanne Kaffee.

Dorit Klüver: Die Chance zu nutzen. Gemeinsam Ideen entwickeln, sich was trauen und sich auf den Austausch mit anderen freuen.

Was ist Ihre persönliche Motivation als Jurorin dabei zu sein und worauf freuen Sie sich am meisten?

Gordana Ancic: Ich freue mich auf die Gelegenheit Vereine, Initiativen und Ideen kennen zu lernen. Gesellschaft ist immer in Bewegung und es gibt immer wieder neue Herausforderungen vor denen wir stehen. Es ist schön und ermutigend  zu sehen, vielleicht kann man sogar sagen „beruhigend“, wie viel Engagement, tolle Menschen, Ideen und Kreativität es bei uns gibt. Und es ist wichtig, dass diese Ideen Aufmerksamkeit bekommen, dazu möchten wir beitragen.

Stefan Carl: Mich motiviert das angenehme Mischgefühl aus Bewunderung und Faszination über eine wirklich gute Idee. Aber was macht letztlich eine gute Idee aus? Ist es ihr Ansatz, egal ob phantastisch, praktisch oder einfach genial? Oder ist es ihre Umsetzbarkeit, mit Blick auf die Lösung oder den erhofften Fortschritt? Ich bin gespannt.

Dorit Klüver: Ich finde, es ist ein großartiges Programm. Ich bin sehr gespannt auf die Ideen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen und hoffe, dass ich das ein oder andere, was ich bis dahin lesen durfte auch erleben werde.