leuchtenburg

„Unser Prinzip: Fass mit an, damit es hier oben schön wird.“

Neben Mitgliedschaften und Fundraising hat der Förderkreis Leuchtenburg e.V. kreative Modelle entwickelt, um Geld und Unterstützer zu gewinnen. Es gibt Ziegen- oder Weinpatenschaften und man kann über ein Spendenportal virtuell „Burgherr werden“. Im Interview verrät Dr. Ulrike Kaiser wie diese Ideen funktionieren. Das ausführliche Gespräch finden Sie im Experten-Dossier von 2012.

Ihnen ist es gelungen, eine historisch bedeutende Thüringer Burg – die Leuchtenburg in Kahla – in sehr kurzer Zeit von einem reichlich ruinösen Bau zu einem sehr ambitionierten Kulturprojekt zu machen. Sie hatten ein Stiftungskapital von nur 50.000€, dennoch ist es Ihnen gelungen das Ensemble zu kaufen und Gelder für die Restaurierung zu mobilisieren. Wie ist das Ihnen gelungen?

Die Gründer des Fördervereins gewannen schon damals wichtige lokale Akteure als Fürsprecher und Mitglieder. Später machte sich das kluge Networking bezahlt, denn unser Landtagsabgeordneter Wolfgang Fiedler, der dem Kuratorium beitrat, gewann weitere strategisch wichtige Türöffner aus dem politischen Leben für die Stiftung. All diese Personen machten es mit ihren persönlichen Kontakten und Netzwerken möglich, Mittel und Engagement einzuwerben. Weder der Stifter noch die Kuratoren setzten außer dem Grundstock weiteres Eigenkapital ein.

Sie haben mit zehn Personen angefangen und diesen Kreis bis heute um einiges erweitert. Wie haben Sie das geschafft?

Zunächst entschieden wir, Geld in die Hand zu nehmen, um die Öffentlichkeitsarbeit nicht mehr nebenbei zu erledigen, sondern dafür zwei Stellen zu schaffen. Wir haben ein neues Logo gemacht und das ganze Erscheinungsbild überarbeitet. Das war das eine. Das andere: Wir haben Anlässe geschaffen, zu uns auf die Burg heraufzukommen. Und persönlich etwas Praktisches beizutragen. Zum Beispiel haben wir am Burghang einen Weinberg aufgerebt. Der Weinberg gehört dem Förderkreis. In der Saison treffen wir uns etwa alle drei Wochen zum After-Work-Einsatz und jäten oder machen Weinlese. Danach ist gemütliches Beisammensitzen angesagt. Das ist etwas mit konkretem Nutzen, es ist etwas Geselliges, die Leute merken, dass die Vorstände nicht nur auf dem Papier existieren. Und es stellt fühlbar einen Kontakt zur Burg her.

Und die Ziegen?

Auch unsere Ziegen haben einen Auftrag. Wir haben sie angeschafft, um die Sichtachsen frei von Gehölzen zu halten. Anwohner aus der Region Kahla und Jena haben für 180 Euro im Jahr Patenschaften für die Ziegen übernommen. Die Kinder der Paten können den kleinen Ziegen Namen geben und nach Anmeldung dürfen sie mit ihnen spazieren gehen. Auch einen Kräutergarten haben wir. Dasselbe Prinzip: Fass mit an, damit es hier oben schön wird. Das schafft Identifikation.

Heute haben Sie mehr Facebook-Freunde als Vereinsmitglieder. Meinen Sie, Social Networks könnten langfristig die Institution Verein ersetzen?

Der Verein hat eine ganz andere physische Präsenz und Verbindlichkeit. Aber er hat das Problem, dass er bei Jungen und Individualisten verstaubt rüberkommt. Er riecht nach Vereinsmeierei, Pflichtgeselligkeit und langen Sitzungen. Deswegen haben wir ein Modell entwickelt, mit dem man der Burg einen bestimmten Betrag nur für einen Stein oder auch für einen ganzen Gebäudeteil spenden kann und dabei virtuell Teil einer Burgherrengemeinde wird. Dieses Spendenportal heißt »Burgherr werden«.

(gekürzter Auszug aus dem Call for Members Experten-Dossier von 2012)