fallada

„Wir waren von Beginn an darauf angewiesen, Menschen einzubinden.“

Die Hans-Fallada-Gesellschaft in Carwitz hat sich zur Aufgabe gemacht, die Werke des Autors lebendig zu halten. Im Interview erzählt Stefan Knüppel wie der Verein es schafft, seine Mitglieder mit ihren Fähigkeiten in die Vereinsarbeit einzubinden. Auch dieses Interview finden Sie in ausführlicher Form im Experten-Dossier von 2012.

Als sich die Hans-Fallada-Gesellschaft 1991 gründete, hatte sie weder Personal noch eigene Mittel. Wie bewältigt ein Verein ohne Eigenkapital den Aufbau eines Museums?

Als wir begannen, war nur ein Raum des Hauses der Öffentlichkeit zugänglich: Falladas Arbeitszimmer. Die Gemeinde kaufte das Haus. Der Verein übernahm alle Aufgaben, ein Museum daraus zu machen. Wir waren von Beginn an darauf angewiesen, Menschen einzubinden. Für die Sanierung des Gebäudes selbst flossen Fördermittel – so konnte das Haus denkmalgerecht instandgesetzt werden. Aber vieles andere, was das Anwesen zu einem authentischen Ort macht, konnten wir nur realisieren, indem wir Helfer einbanden.

Und wie gewinnt man Helfer, die am Anwesen richtig mit anpacken?

Unter anderem bitten wir unsere Mitglieder. In unserer Beitrittserklärung fragen wir, welchen Beruf die Leute ausüben und seit einiger Zeit auch, was sie außerdem noch besonders gut können. Wenn jemand »Zimmermann« einträgt, scheuen wir uns nicht, bei Gelegenheit um Hilfe bei Zimmermannsarbeiten anzufragen.

Kann man die Arbeit eines Kulturvereins wie der Hans-Fallada-Gesellschaft allein auf Ehrenamt stützen?

Nein. In der »Pionierphase« wurden alle Arbeiten ehrenamtlich bewältigt. Aber das stieß bald an seine Grenzen. Seit 2005 fördert uns die Kommune Feldberger Seenlandschaft mit 26.000 Euro jährlich. Für ein Museum, das so stark bespielt wird wie unseres, ist es wenig. Daher sind wir nach wie vor darauf angewiesen, das meiste selbst zu erwirtschaften, aus Eintritten, Veranstaltungen und dem Verkauf von Büchern. Dazu kommen viele kleine Hilfen von Mitgliedern des Vereins – vom Kassieren bei Veranstaltungen bis zum Rasenmähen. Alle, die uns im Lauf eines Jahres geholfen haben – ob als Sponsoren, als Mitarbeiter, ob beim Restaurieren von Möbeln oder einfach nur als verständnisvolle Nachbarn – laden wir zu unserer Weihnachtsfeier ein.

Gibt es Praktiken, Mitglieder zu binden, die Sie weitergeben würden?

Eine produktive und menschlich angenehme Vereinskultur zu leben, mit der sich die Mitglieder identifizieren können. Unsere Praxis, über die Informationstafeln im Museum und nach jeder Führung die Mitgliedschaft anzubieten, beim Beitritt den Beruf zu erfragen – und entsprechend Engagement einzuwerben. Unsere Tradition, das Haus mit Veranstaltungen zu beleben, für alle, die uns gewogen sind. Und speziell für unsere Unterstützer.

(gekürzter Auszug aus dem Call for Members Experten-Dossier von 2012)